Sterilisation ist keine Lösung!

 

Fachliche Stellungnahme: Warum die chirurgische Sterilisation von Stadttauben nicht zielführend und tierschutzwidrig ist

 

Die Reduktion von Stadttaubenpopulationen durch chirurgische Eingriffe (Vasektomie/Sterilisation) wird immer wieder als vermeintliche Lösung vorgeschlagen. Wissenschaftliche Erkenntnisse, tierschutzrechtliche Bewertungen und praktische Erfahrungen (z. B. aus Düsseldorf) zeigen jedoch einhellig, dass diese Methode scheitert.

1. Biologische und populationsdynamische Wirkungslosigkeit

Der wichtigste Grund für das Scheitern der Sterilisation ist die Biologie der Taube:

  • Der Vakuum-Effekt:                                                                                             Wird ein Tier durch die Operation geschwächt oder stirbt es, wird sein Platz in der Kolonie sofort von einem jungen, fruchtbaren Nachrücker aus dem Umland besetzt.

  • Kompensation durch Fremdbegattung:                                                         Tauben leben zwar oft monogam, aber "Seitensprünge" sind häufig. Ein sterilisiertes Männchen besetzt zwar weiterhin ein Nest mit einem Weibchen, dieses wird jedoch oft von anderen, fertigen Männchen aus der Kolonie begattet. Das Ergebnis: Trotz operiertem Männchen liegen weiterhin befruchtete Eier im Nest.

  • Mangelnde Reichweite:                                                                                        Um eine Population rechnerisch zu senken, müssten über 80 % der männlichen Tiere einer gesamten Stadt gleichzeitig unfruchtbar gemacht werden. Das ist logistisch unmöglich und finanziell nicht tragbar.

2. Massive Gefahren für die Tiere (Tierschutzaspekte)

Stadttauben sind keine gesunden Haustiere, sondern leiden oft unter Mangelernährung und Parasiten.

  • Hohes Narkoserisiko:                                                                                       Vögel haben einen hochempfindlichen Stoffwechsel. Die Sterblichkeitsrate bei Operationen unter Stressbedingungen ist massiv.

  • Postoperative Infektionen:                                                                                 Nach dem Eingriff werden die Tiere in den unhygienischen Stadtraum entlassen. Eine medizinische Nachsorge oder Wundkontrolle findet nicht statt, was oft zu qualvollen Entzündungen führt.

  • Stress durch Fehlfänge:                                                                                        Da Tauben keinen Geschlechtsdimorphismus haben (Männchen und Weibchen sehen gleich aus), müssen viele Tiere erst invasiv untersucht werden, um überhaupt festzustellen, ob ein Eingriff möglich ist.

3. Rechtliche Bewertung

Nach § 6 des Tierschutzgesetzes (TierSchG) ist das Amputieren von Körperteilen oder das Zerstören von Organen bei Wirbeltieren verboten.

 

 

  • Eine Ausnahme ist nur zulässig, wenn ein "vernünftiger Grund" vorliegt.

  • Da mit dem Augsburger Modell (Eiertausch in betreuten Schlägen) eine nachweislich wirksamere und schmerzfreie Methode existiert, fehlt für die riskante Operation die rechtliche Grundlage.

 

Dokumentierte Fälle und Fachquellen

Fallbeispiel Düsseldorf (2019/2020)

 

In Düsseldorf wurde ein Pilotprojekt zur Sterilisation von Täubern massiv von Fachleuten kritisiert. Es wurde deutlich, dass die Selektion der "dominanten Männchen" in der Praxis kaum möglich ist und die Kosten pro sterilisiertem Tier in keinem Verhältnis zum Nutzen stehen.

Quelle:                                                                                                                          PETA Presseportal: Kritik am Düsseldorfer Pilotprojekt

 

Hintergrund:                                                                                                                          Pro-Palomas: Warum Kastration keine Lösung ist

Der Tierschutzbeirat des Landes Niedersachsen hat bereits 2019 klargestellt, dass Eingriffe am Einzeltier (wie Sterilisation) aufgrund der Populationsdynamik wirkungslos sind.

 

Offizielle behördliche Empfehlungen Wissenschaftliche Studien

 

Wissenschaftliche Daten zur Sterblichkeitsrate bei chirurgischen Eingriffen finden Sie in der Feldstudie der Universität Gießen (Heiderich et al.):

Link zur Studie: Minimalinvasive Sterilisation von Stadttauben

 

Eine Untersuchung der Universität Gießen zeigt zwar die technische Machbarkeit der minimalinvasiven Sterilisation auf, stellt aber klar, dass der Erfolg für die Bestandsregulierung einer ganzen Stadt höchst zweifelhaft bleibt. 

https://jlupub.ub.uni-giessen.de/items/dd1c15cf-c4d7-447b-a480-b5655e76342c

 

Warum die chirurgische Sterilisation von Stadttauben scheitert

 

Oft wird die chirurgische Sterilisation als Lösung für das Stadttaubenmanagement beworben. Wissenschaftliche Daten, wie die der großangelegten Studie in Bern, belegen jedoch das Gegenteil: Die Methode ist tierquälerisch, risikoreich und ineffizient.

 

1. Hohe Todesrate (Das Beispiel Bern)

 

In einer Feldstudie wurden 252 männliche Tauben unter Vollnarkose endoskopisch sterilisiert. Die Ergebnisse sind alarmierend:

  • Hohe Mortalität:                                                                                                Knapp 6 % der Tiere (15 von 252) starben bereits während der Operation oder innerhalb der ersten 10 Tage.

  • Qualvolle Todesursachen:                                                                                     Die Tiere verendeten an inneren Blutungen, Verletzungen des Harnleiters oder plötzlichem Atemstillstand.

  • Mangelnde Nachsorge:                                                                            Stadttauben leben unter harten Bedingungen; ihr Immunsystem ist durch den permanenten Stress bereits stark beansprucht. Ein invasiver Eingriff ohne postoperative Fürsorge führt im urbanen Raum zu einer unvorhersehbar hohen Dunkelziffer an weiteren Todesfällen durch Infektionen.

Quelle:                                                                                                                                    https://jlupub.ub.uni-giessen.de/items/dd1c15cf-c4d7-447b-a480-b5655e76342c

 

Tierärztliche Expertise-Quellennachweise & Fachbericht

 

  • Dr. Almut Malone, Avian Vogelschutz-Verein e.V. (Berlin, 10.12.2024):              In ihrer Stellungnahme legt Dr. Malone dar, dass die chirurgische Sterilisation als Maßnahme zur Populationskontrolle strikt abzulehnen ist. Sie verweist auf das unverhältnismäßige Leid der Tiere und die mangelnde Nachhaltigkeit.

  • Dr. Doris Quinten (Vogelkundige Tierärztin):                                                        Detaillierte Analyse, warum die Sterilisation medizinisch und ökologisch scheitert und warum "unfruchtbare Männchen" den Bestand nicht senken.                     Siehe Stellungnahme Dr Doris Quinten

Fazit:                                                                                            Die Sterilisation ist ein gefährlicher, teurer und wirkungsloser Umweg. Nachhaltiges Stadttaubenmanagement funktioniert nur über betreute Taubenschläge und den Austausch von Eiern durch Gipseier.

 

Stellungnahme zur Sterilisation von Stadttauben

 

Stellungnahme zur Sterilisation von Stadttauben

Dr. Doris Quinten vogelkundige Tierärztin

München, den 26.9.2024

 

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Stellungnahme zur Sterilisation von Stadttauben
Dr. Doris Quinten vogelkundige Tierärztin
München, den 26.9.2024
Quinten-St-C-02_aktualisiert_Dr_Doris_Qu[...]
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Stellungnahme zur chirurgischen Sterilisation

 

Stellungnahme zur chirurgischen Sterilisation von
Straßentauben als Maßnahme zur Populationskontrolle
von Dr. Almut Malone, Avian Vogelschutz-Verein e.V

Berlin 10.12.2024

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Ganzer Bericht in der PDF

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Stellungnahme zur chirurgischen Sterilisation von Straßentauben als Maßnahme zur Populationskontrolle
von Dr. Almut Malone, Avian Vogelschutz-Verein e.V
Berlin 10.12.2024
Almut-Malone-Sterilisation-und-Fütterung[...]
PDF-Dokument [384.4 KB]

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Sterilisation von Tauben für die Stadt Brüssel 

Die Stadt Brüssel verzichtet auf die brutale Sterilisation von Tauben dank der Aktionen von GAIA

Aus dem Französischen Übersetzt:

Brüssel – 25. Juli 2011.

Der Brüsseler Stadtrat für Stadtplanung, Christian Ceux, hat beschlossen, die Zusammenarbeit zwischen der Stadt und der SACPA zu beenden.                            In einem im Januar dieses Jahres veröffentlichten Video enthüllte GAIA, wie dieses französische Unternehmen im Auftrag der Stadt Brüssel Tauben ohne

angemessene Betäubung sterilisierte.

Eine Praxis, die in Belgien übrigens verboten ist. http://vimeo.com/25719910

Mit versteckter Kamera

Bislang wurde dieser schmerzhafte chirurgische Eingriff von der SACPA durchgeführt, einem Pariser Unternehmen, das sich auf das Einfangen von streunenden oder als schädlich geltenden Tieren spezialisiert hat. Zu diesem Zweck wurden jedes Jahr 3000 Tauben in Brüssel eingefangen, bevor sie zur Sterilisation nach Paris geschickt und schließlich nach Brüssel zurückgebracht wurden. Mit versteckter Kamera filmte GAIA in Paris die Operation der Tauben, die noch bei Bewusstsein und schlecht betäubt waren.

Bei der Ausstrahlung der Bilder forderte die Tierschutzorganisation die Stadt Brüssel auf, diese Praxis unverzüglich einzustellen und sich für eine entschieden ethischere Lösung zu entscheiden: die Installation von Verhütungs-Taubenschlägen. Bis heute blieb die Forderung von GAIA unbeachtet.

 

Brüssel - 25. Juli 2011

Die Tierschutzorganisation GAIA hat schmerzhafte chirurgische Eingriffe gefilmt, die im Auftrag der Stadt Brüssel an Tauben durchgeführt wurden, die bei Bewusstsein und schmerzempfindlich waren.

Die in Fließbandarbeit sterilisierten Vögel reagieren heftig, während ihnen ohne Betäubung die Hoden oder Eierstöcke entfernt werden.

Die Fortpflanzung von Tauben kann durch Geburtenkontrolle eingeschränkt werden: GAIA fordert die Einstellung des Einfangens und der Euthanasie sowie der Sterilisation ohne Betäubung und die Einrichtung von Taubenschlägen mit Verhütungsmitteln. 

 

Zum ganzen Artikel als auch Video auf Vimeo :

 https://www.gaia.be/fr/actualites/la-ville-de-bruxelles-renonce-aux-sterilisations-brutales-des-pigeons-grace-aux-actions

 

 

"ACHTUNG das Video ist nichts für schwache Nerven"!

Tauben werden sterilisiert 

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