Die häufigsten Mythen über Stadttauben und ihre Realitäten, ihre Profiteure und Leidtragende
Stadttauben und das Thema Hygiene: Fakten zum Taubenkot
Kaum ein Thema ist so emotional aufgeladen wie die Verschmutzung durch Taubenkot. Oft wird er als „ätzende Gefahr“ für Gebäude und Gesundheit dargestellt. Doch bei genauerer, wissenschaftlicher
Betrachtung relativieren sich viele dieser Behauptungen deutlich.
Keine Gefahr für die Bausubstanz
Ein weit verbreiteter Mythos ist, dass Taubenkot Beton oder Sandstein „zerfressen“ würde. Seriöse Untersuchungen, unter anderem durch die TU Darmstadt, haben gezeigt: Taubenkot ist chemisch
gesehen weit weniger aggressiv als oft behauptet. Schäden an Gebäuden entstehen primär durch Umwelteinflüsse wie sauren Regen, Autoabgase oder bereits vorhandene Risse, in denen sich Feuchtigkeit
sammelt. Die Taube wird hier oft zum Sündenbock für allgemeine Verwitterungsprozesse gemacht.
Gesundheitsrisiko durch Kot? Die Kirche im Dorf lassen
Natürlich gilt: Kot – egal von welcher Tierart – gehört nicht in den direkten Lebensumfeld des Menschen. Dennoch ist getrockneter Taubenkot in der Stadtluft für gesunde Menschen keine akute
Bedrohung. Erreger wie Chlamydien oder Kryptokokken finden sich im Kot, doch eine Infektion über die Atemwege ist extrem selten und tritt fast nur bei Menschen mit massiv geschwächtem Immunsystem
oder in extrem staubigen, unbelüfteten Verschlägen auf. Im normalen Stadtalltag ist das Risiko vernachlässigbar.
Hungerkot: Ein Zeichen menschlichen Versagens
Was viele nicht wissen: Der oft flüssige, grünliche Kot, der als besonders unhygienisch empfunden wird, ist häufig „Hungerkot“. Er entsteht, weil die Tiere in der Stadt keinen Zugang zu
artgerechtem Körnerfutter haben und stattdessen Essensreste fressen müssen. Würden wir den Tieren durch kontrollierte Schläge und artgerechtes Futter helfen, wäre der Kot fest, trocken und ließe sich
viel leichter entfernen.
Ein sauberer Weg nach vorne
Statt auf Angst zu setzen, sollten wir auf Lösungen bauen. Ein betreuter Taubenschlag sorgt dafür, dass ca. 80 % des Kots an einem Ort verbleiben und professionell entsorgt werden
können. Das schützt die Stadt und hilft den Tieren. Es ist kein Hygieneproblem, das wir bekämpfen müssen, sondern ein Managementproblem, das wir gemeinsam lösen können.
Menschen für Tierrechte
Zerstört der Taubenkot unsere Gebäude?
Wie alle anderen Exkremente von Mensch und Tier ist auch der Taubenkot ein ästhetisches und hygienisches Problem. Die Ursache der Gebäudezerstörung – vor allem an
historischen Objekten – auf den Taubenkot zurückzuführen, ist jedoch abwegig. Der Zerfall ist erst in den letzten Jahrzehnten problematisch geworden und primär auf Luftschadstoffe und den daraus
resultierenden sauren Regen zurückzuführen.
Taubenkot wurde auf seinen Säuregehalt untersucht sowie auf seine Wirkung auf Materialien. Dazu wurde 70 Tage lang frischer Taubenkot auf verschiedenste Baustoffe
aufgebracht. Zum Säuregehalt wurde festgestellt: Der pH-Wert des frischen Kotes liegt zwischen 5,5 und 5,8. Nach 70 Tagen beträgt er 5,7 bis 5,9.
Die Untersuchung der Einwirkung von Taubenkot auf Baustoffe führte zu folgenden Ergebnissen: Nach mikroskopischer Untersuchung zeigten keinerlei Veränderung:
Buntsandstein, Granit, Travertin, Zementmörtel, Vollziegel, Vollklinker, unbehandeltes und lasiertes Nadelholz. Getestet wurden zudem vier Blecharten. Bei Kupferblech bildete sich eine
Oxidationsschicht, bei lackiertem Stahlblech beschleunigte Taubenkot die Alterung, auf verzinktem Stahlblech führte der Kot zu Fleckenbildung und stellenweise zur Zerstörung des Korrosionsschutzes,
Bronzeblech reagierte ähnlich wie Kupferblech. Zusammenfassend: Bei mineralischen Baustoffen führt Taubenkot nicht zu Veränderungen, wohl aber bei Blechen.
Das vollständige Gutachten Prüfungsbericht s. PDF
Einfluss von Taubenkot auf die Oberfläche von Baustoffen
Auftraggeber: Menschen für Tierrechte-Bundesverband
der Tierversuchsgegner e.V.
Rosermonder-Str. 4a
D-52072 Aachen
Gefährdungseinstufung von Stadttauben
Übertragen Tauben Krankheiten und Parasiten?
Überprüfung aktueller Aussagen aus dem Internet auf ihren Wahrheitsgehalt
Dr. Mirja Kneidl-Fenske, Hamburg
Betreuende Tierärztin für den Hamburger Stadttauben e. V.
Michaela Dämmrich, Hannover
Landesbeauftragte für den Tierschutz in Niedersachsen
Resümee
Die Einschätzung von Jens Hübel, Tierarzt Leipzig:
„Die Darstellung auf der Homepage von Schädlingsbekämpfern und Vergrämungsfirmen sind als völlig überzogen zu betrachten. Hier wird Panik geschürt und den Leserinnen und Lesern durch
Fehliniformationen suggeriert, dass Tauben eine Vielzahl an lebensbedrohlichen Erkrankungen übertragen würden.“