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Sterilisation ist keine Lösung!

Fachliche Stellungnahme

Zur chirurgischen Sterilisation von Stadttauben und deren tierschutzrechtlicher sowie populationsbiologischer Bewertung

 

Die Reduktion von Stadttaubenpopulationen durch chirurgische Eingriffe wie Vasektomie oder Sterilisation wird vereinzelt als mögliche Maßnahme diskutiert. Fachliche Erkenntnisse aus Populationsbiologie, Tierschutzpraxis sowie Erfahrungen verschiedener Städte zeigen jedoch, dass diese Methode kritisch zu bewerten ist und bislang keine überzeugende nachhaltige Wirksamkeit nachgewiesen werden konnte.

 

1. Populationsbiologische Problematik und begrenzte Wirksamkeit

Der sogenannte „Vakuumeffekt“

Werden Tiere aus einer bestehenden Population entfernt oder sterben infolge von Eingriffen Tiere weg, können frei werdende Brutplätze und Futterressourcen häufig durch nachrückende Tiere aus dem Umland neu besetzt werden. Dieser in der Populationsbiologie bekannte Effekt kann dazu führen, dass sich Bestände trotz Eingriffen langfristig wieder stabilisieren.

 

Begrenzte Wirkung durch Paar- und Fortpflanzungsverhalten

Stadttauben leben überwiegend in festen Paarbindungen. Dennoch kommen innerhalb von Kolonien auch Fremdpaarungen vor. Dadurch kann die Wirksamkeit einer ausschließlich männlichen Sterilisation zusätzlich eingeschränkt werden, da Weibchen trotz eines sterilisierten Partners durch andere fortpflanzungsfähige Männchen begattet werden können.

 

Hoher logistischer und finanzieller Aufwand

Für eine nachhaltige populationsbiologische Wirkung müsste dauerhaft ein sehr hoher Anteil der Tiere erfasst und operativ behandelt werden. Dies ist in frei lebenden innerstädtischen Populationen organisatorisch äußerst aufwendig und mit erheblichen Kosten verbunden.

 

2. Tierschutzrechtliche und medizinische Aspekte

Viele Stadttauben weisen gesundheitliche Belastungen wie Parasitenbefall, Verletzungen oder Mangelzustände auf. Dies erhöht die Anforderungen an Fang, Narkose und operative Versorgung erheblich.

 

Erhöhtes Risiko durch Fang, Stress und Narkose

Vögel reagieren empfindlich auf Stress, Transport und Narkoseverfahren. Chirurgische Eingriffe stellen daher grundsätzlich ein gesundheitliches Risiko dar, insbesondere bei bereits geschwächten Tieren.

 

Problematik fehlender Nachsorge

Nach operativen Eingriffen werden die Tiere in der Regel wieder in den urbanen Lebensraum entlassen. Eine längerfristige medizinische Nachkontrolle oder individuelle Wundversorgung ist bei frei lebenden Stadttauben praktisch kaum umsetzbar. Dadurch kann das Risiko postoperativer Komplikationen erhöht werden.

 

Zusätzlicher Stress durch Geschlechtsbestimmung

Da männliche und weibliche Stadttauben äußerlich nur schwer sicher zu unterscheiden sind, müssen Tiere häufig zunächst untersucht werden, um das Geschlecht eindeutig festzustellen. Auch dies bedeutet zusätzlichen Fang- und Handhabungsstress für die Tiere.

3. Rechtliche Bewertung nach dem Tierschutzgesetz

Nach § 6 Tierschutzgesetz sind operative Eingriffe an Wirbeltieren grundsätzlich nur zulässig, wenn hierfür ein „vernünftiger Grund“ vorliegt.

Im Zusammenhang mit chirurgischen Sterilisationsmaßnahmen bei Stadttauben wird daher fachlich diskutiert, ob ein solcher Grund ausreichend gegeben ist — insbesondere dann, wenn mit betreuten Taubenschlägen und kontrolliertem Eiertausch bereits alternative Maßnahmen existieren, die deutlich weniger invasiv sind und in zahlreichen Städten erfolgreich angewendet werden.

Das sogenannte „Augsburger Modell“ mit betreuten Taubenschlägen, Versorgung der Tiere und Austausch der Eier gilt derzeit als eine der tierschutzgerechteren und nachhaltigeren Methoden der Bestandskontrolle

               

Dokumentierte Fälle und Fachquellen

Fallbeispiel Düsseldorf (2019/2020)

 

In Düsseldorf wurde ein Pilotprojekt zur Sterilisation von Täubern massiv von Fachleuten kritisiert. Es wurde deutlich, dass die Selektion der "dominanten Männchen" in der Praxis kaum möglich ist und die Kosten pro sterilisiertem Tier in keinem Verhältnis zum Nutzen stehen.

Quelle:                                                                                                                          PETA Presseportal: Kritik am Düsseldorfer Pilotprojekt

 

Hintergrund:                                                                                                                          Pro-Palomas: Warum Kastration keine Lösung ist

Der Tierschutzbeirat des Landes Niedersachsen hat bereits 2019 klargestellt, dass Eingriffe am Einzeltier (wie Sterilisation) aufgrund der Populationsdynamik wirkungslos sind.

 

Offizielle behördliche Empfehlungen Wissenschaftliche Studien

 

Wissenschaftliche Daten zur Sterblichkeitsrate bei chirurgischen Eingriffen finden Sie in der Feldstudie der Universität Gießen (Heiderich et al.):

Link zur Studie: Minimalinvasive Sterilisation von Stadttauben

 

Eine Untersuchung der Universität Gießen zeigt zwar die technische Machbarkeit der minimalinvasiven Sterilisation auf, stellt aber klar, dass der Erfolg für die Bestandsregulierung einer ganzen Stadt höchst zweifelhaft bleibt. 

https://jlupub.ub.uni-giessen.de/items/dd1c15cf-c4d7-447b-a480-b5655e76342c

 

Warum chirurgische Sterilisationsmaßnahmen bei Stadttauben kritisch bewertet werden

Die chirurgische Sterilisation wird vereinzelt als Maßnahme des Stadttaubenmanagements vorgeschlagen. Ergebnisse wissenschaftlicher Untersuchungen sowie praktische Erfahrungen zeigen jedoch, dass diese Methode mit erheblichen tierschutzfachlichen, medizinischen und organisatorischen Problemen verbunden ist.

1. Operations- und Narkoserisiken

Beispiel einer Feldstudie in Bern

In einer wissenschaftlich begleiteten Feldstudie wurden 252 männliche Stadttauben unter Vollnarkose endoskopisch sterilisiert.

Die veröffentlichten Ergebnisse verdeutlichen die Risiken solcher Eingriffe:

  • Erhöhte Mortalität:
    Ein Teil der Tiere verstarb bereits während der Operation oder innerhalb der ersten Tage nach dem Eingriff.
  • Dokumentierte Komplikationen:
    Als Ursachen wurden unter anderem innere Blutungen, Verletzungen innerer Strukturen sowie narkosebedingte Komplikationen beschrieben.
  • Besondere Belastung freilebender Stadttauben:
    Viele Stadttauben leben bereits unter gesundheitlicher Belastung, etwa durch Parasitenbefall, Verletzungen oder mangelhafte Ernährung. Dadurch können operative Eingriffe und Narkosen zusätzliche Risiken mit sich bringen.

2. Problematik der Nachsorge bei freilebenden Tieren

Nach operativen Eingriffen werden Stadttauben in der Regel wieder in ihren ursprünglichen Lebensraum entlassen. Im Gegensatz zu Haustieren ist eine individuelle postoperative Betreuung, Wundkontrolle oder längerfristige medizinische Versorgung praktisch kaum möglich.

Dadurch können Komplikationen wie Entzündungen oder Wundheilungsstörungen unter Umständen unbemerkt bleiben. Auch die tatsächliche Zahl späterer Folgeschäden oder Todesfälle lässt sich bei frei lebenden Populationen nur eingeschränkt erfassen.

 

Quelle:                                                                                                                                    https://jlupub.ub.uni-giessen.de/items/dd1c15cf-c4d7-447b-a480-b5655e76342c

 

Tierärztliche Expertise-Quellennachweise & Fachbericht

 

  • Dr. Almut Malone, Avian Vogelschutz-Verein e.V. (Berlin, 10.12.2024):              In ihrer Stellungnahme legt Dr. Malone dar, dass die chirurgische Sterilisation als Maßnahme zur Populationskontrolle strikt abzulehnen ist. Sie verweist auf das unverhältnismäßige Leid der Tiere und die mangelnde Nachhaltigkeit.

  • Dr. Doris Quinten (Vogelkundige Tierärztin):                                                        Detaillierte Analyse, warum die Sterilisation medizinisch und ökologisch scheitert und warum "unfruchtbare Männchen" den Bestand nicht senken.                     Siehe Stellungnahme Dr Doris Quinten

Fazit

 

Aus populationsbiologischer, praktischer sowie tierschutzrechtlicher Sicht bestehen erhebliche Zweifel an der langfristigen Wirksamkeit chirurgischer Sterilisationsmaßnahmen bei Stadttauben. Dem gegenüber stehen betreute Taubenschläge mit Eieraustausch als etablierte, deutlich schonendere und vielerorts erfolgreich umgesetzte Alternative.

 

 

Stellungnahme zur Sterilisation von Stadttauben

 

 

 

Dr. Doris Quinten vogelkundige Tierärztin

München, den 26.9.2024

 

 

Ganzer Bericht in der PDF

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Stellungnahme zur Sterilisation von Stadttauben
Dr. Doris Quinten vogelkundige Tierärztin
München, den 26.9.2024
Quinten-St-C-02_aktualisiert_Dr_Doris_Qu[...]
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Stellungnahme zur chirurgischen Sterilisation

 

Stellungnahme zur chirurgischen Sterilisation von
Straßentauben als Maßnahme zur Populationskontrolle
von Dr. Almut Malone, Avian Vogelschutz-Verein e.V

Berlin 10.12.2024

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Ganzer Bericht in der PDF

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Sterilisation Dr Almut Malone PDF hier klicken
Stellungnahme zur chirurgischen Sterilisation von Straßentauben als Maßnahme zur Populationskontrolle
von Dr. Almut Malone, Avian Vogelschutz-Verein e.V
Berlin 10.12.2024
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Sterilisation von Tauben für die Stadt Brüssel 

Die Stadt Brüssel verzichtet auf die brutale Sterilisation von Tauben dank der Aktionen von GAIA

Aus dem Französischen Übersetzt:

Brüssel – 25. Juli 2011.

Der Brüsseler Stadtrat für Stadtplanung, Christian Ceux, hat beschlossen, die Zusammenarbeit zwischen der Stadt und der SACPA zu beenden.                            In einem im Januar dieses Jahres veröffentlichten Video enthüllte GAIA, wie dieses französische Unternehmen im Auftrag der Stadt Brüssel Tauben ohne

angemessene Betäubung sterilisierte.

Eine Praxis, die in Belgien übrigens verboten ist. http://vimeo.com/25719910

Mit versteckter Kamera

Bislang wurde dieser schmerzhafte chirurgische Eingriff von der SACPA durchgeführt, einem Pariser Unternehmen, das sich auf das Einfangen von streunenden oder als schädlich geltenden Tieren spezialisiert hat. Zu diesem Zweck wurden jedes Jahr 3000 Tauben in Brüssel eingefangen, bevor sie zur Sterilisation nach Paris geschickt und schließlich nach Brüssel zurückgebracht wurden. Mit versteckter Kamera filmte GAIA in Paris die Operation der Tauben, die noch bei Bewusstsein und schlecht betäubt waren.

Bei der Ausstrahlung der Bilder forderte die Tierschutzorganisation die Stadt Brüssel auf, diese Praxis unverzüglich einzustellen und sich für eine entschieden ethischere Lösung zu entscheiden: die Installation von Verhütungs-Taubenschlägen. Bis heute blieb die Forderung von GAIA unbeachtet.

 

Brüssel - 25. Juli 2011

Die Tierschutzorganisation GAIA hat schmerzhafte chirurgische Eingriffe gefilmt, die im Auftrag der Stadt Brüssel an Tauben durchgeführt wurden, die bei Bewusstsein und schmerzempfindlich waren.

Die in Fließbandarbeit sterilisierten Vögel reagieren heftig, während ihnen ohne Betäubung die Hoden oder Eierstöcke entfernt werden.

Die Fortpflanzung von Tauben kann durch Geburtenkontrolle eingeschränkt werden: GAIA fordert die Einstellung des Einfangens und der Euthanasie sowie der Sterilisation ohne Betäubung und die Einrichtung von Taubenschlägen mit Verhütungsmitteln. 

 

Zum ganzen Artikel als auch Video auf Vimeo :

 https://www.gaia.be/fr/actualites/la-ville-de-bruxelles-renonce-aux-sterilisations-brutales-des-pigeons-grace-aux-actions

 

 

"ACHTUNG das Video ist nichts für schwache Nerven"!

Tauben werden sterilisiert 

 

                                               Wichtiger Urheberrechtshinweis: 

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