Stadttaube-Haustaube-Felsentaube ??
Von Mythos + Ökonomie zum soziokulturellen Element der Stadt & der Würde im Augsburger Modell
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1. „Der Urbane Mythos“ – Tauben als Kulturträger
Haustauben: Teil unserer Geschichte
Seit Jahrtausenden begleiten Haustauben den Menschen – als Boten, Symbolträger und Mitbewohner. Dieses Bild erinnert daran, dass Stadttauben keine Zufallserscheinung sind, sondern lebendige Archive unserer Kulturgeschichte.
Ihre Präsenz ist ein Echo vergangener Nähe. Dieses Motiv erinnert daran, dass Stadttauben nicht zufällig existieren, sondern aus einer tiefen gemeinsamen Geschichte hervorgegangen sind.
Haustauben sind keine Randfiguren der Stadt, sondern stille Begleiter einer langen Menschheitsgeschichte. Über Jahrtausende hinweg wurden sie gezüchtet, verehrt, genutzt und gepflegt – als Boten, als Symbolträger, als lebendige Verbindung zwischen Orten und Menschen.
Sie tauchen in Mythen auf, in religiösen Erzählungen, in Kriegs- und Friedensgeschichten, in Kunst und Architektur. Das Bild erinnert daran, dass Stadttauben nicht „verwilderte Störenfriede“ sind, sondern Nachfahren domestizierter Tiere, die durch menschliche Entscheidungen in die Städte gelangten.
Ihre Präsenz erzählt von kultureller Kontinuität, von Migration, von Kommunikation und von der engen Verflechtung zwischen menschlicher Zivilisation und tierischem Leben.
Sie sind ein lebendiges Archiv – und Teil unseres kollektiven Gedächtnisses.
Haustauben sind ein biologisches und kulturelles Kontinuum, das sich über Jahrtausende erstreckt. Ihre heutige Präsenz in Städten ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer langen Koevolution: Menschen domestizierten sie, selektierten sie, nutzten sie als Boten, Nahrung, Symbol und Gefährten.
In jeder Stadttaube steckt ein genetisches Echo dieser Vergangenheit – ein Tier, das nicht „verwildert“, sondern entlassen wurde in eine urbane Umwelt, die der Mensch geschaffen hat.
Poetisch betrachtet sind sie Träger einer stillen Erinnerung: Sie bewegen sich durch die Städte wie wandelnde Fußnoten unserer eigenen Geschichte. Wissenschaftlich betrachtet sind sie ein Beispiel dafür, wie Kultur und Biologie ineinandergreifen und wie menschliche Entscheidungen Tierpopulationen über Jahrhunderte prägen.
2. „Ökologie der Nähe“ – Der unsichtbare Kreislauf
Stadtökologie beginnt mit Verständnis
Tauben sind Teil urbaner Kreisläufe, die oft unsichtbar bleiben. Sie verwerten, verbinden und beeinflussen ökologische Prozesse in der Stadt. Das Motiv zeigt, wie menschliche Routinen, tierische Anpassungen und natürliche Dynamiken miteinander verflochten sind. Ein Hermes auf dem Dach erinnert daran: Auch Mythen leben mitten unter uns.
Städte sind komplexe Ökosysteme, in denen biologische, soziale und kulturelle Prozesse ineinandergreifen. Tauben sind ein oft übersehener Bestandteil dieser urbanen Kreisläufe. Sie verwerten weggeworfene Nahrung, beeinflussen Nährstoffflüsse, interagieren mit Pflanzen, Insekten und Menschen.
Das Bild zeigt diesen Kreislauf nicht als technische Grafik, sondern als poetische Struktur: ein Zusammenspiel aus menschlichen Routinen, tierischen Anpassungen und natürlichen Dynamiken. Die Figur des Hermes verweist auf die mythologische Dimension – darauf, dass Tiere in Städten nicht nur biologische Funktionen erfüllen, sondern auch kulturelle Bedeutungen tragen.
Verständnis für Stadtökologie bedeutet, diese Zusammenhänge zu erkennen: dass Tauben nicht „Fehler im System“ sind, sondern Teil eines lebendigen, sich ständig wandelnden urbanen Gefüges.
Städte sind dynamische Ökosysteme, in denen biologische Prozesse nicht verschwinden, sondern neue Formen annehmen. Tauben sind Teil dieser urbanen Ökologie: Sie verwerten organische Abfälle, beeinflussen Nährstoffkreisläufe und interagieren mit Pflanzen, Insekten und Mikroorganismen.
Ihre Rolle ist weder rein positiv noch negativ – sie ist ökologisch real, eingebettet in ein Geflecht aus Stoffströmen, Verhaltensanpassungen und menschlichen Routinen.
Poetisch betrachtet sind sie Vermittler zwischen den Schichten der Stadt: zwischen Asphalt und Himmel, zwischen menschlicher Ordnung und natürlicher Spontanvegetation. Wissenschaftlich betrachtet zeigen sie, wie resilient und anpassungsfähig Tierarten sein können, wenn sie in anthropogenen Lebensräumen neue Nischen finden.
3. „Die geteilte Stadt“ – Mensch und Taube als Co-Existenz
Wir teilen mehr, als wir denken
Mensch und Taube leben Seite an Seite – oft unbeachtet, doch tief verbunden in parallelen Alltagswelten, die sich ständig berühren. Dieses Motiv macht sichtbar, wie sehr unsere Lebensräume ineinandergreifen – in Routinen, in Fürsorge, in stillen Momenten des Zusammenlebens. Co-Existenz ist Teil des urbanen Gefüges
Stadtleben ist ein Geflecht aus parallelen Alltagswelten. Menschen und Tauben bewegen sich durch dieselben Straßen, nutzen dieselben architektonischen Strukturen, folgen ihren eigenen Routinen – und doch berühren sich ihre Lebensräume ständig.
Das Bild macht diese stille Co-Existenz sichtbar: Menschen, die essen, arbeiten, beobachten; Tauben, die nisten, füttern, Nahrung suchen. Beide Gruppen reagieren aufeinander, passen sich aneinander an, teilen Ressourcen und Räume.
Diese Perspektive zeigt, dass urbane Räume nicht ausschließlich menschlich sind. Sie sind geteilt – nicht nur räumlich, sondern auch emotional und kulturell. Die Nähe zwischen Mensch und Taube ist kein Zufall, sondern Ausdruck eines gemeinsamen Lebensraums, der von gegenseitiger Anpassung, Toleranz und alltäglicher Verflechtung geprägt ist.
Die Stadt ist ein geteilter Lebensraum, in dem Menschen und Tiere parallel existieren und sich dennoch gegenseitig beeinflussen. Tauben nutzen architektonische Strukturen, die für Menschen gebaut wurden, und Menschen bewegen sich durch Räume, die längst auch von Tieren mitgestaltet werden.
Diese Koexistenz ist kein romantisches Ideal, sondern ein empirisch belegbares Phänomen: Verhaltensforschung, Stadtsoziologie und Ökologie zeigen, dass Mensch und Tier in urbanen Räumen in einem ständigen Austausch stehen – sichtbar und unsichtbar.
Poetisch betrachtet sind Tauben Spiegel unserer eigenen Urbanität: Sie leben von dem, was wir hinterlassen, und sie erinnern uns daran, dass Städte niemals rein menschliche Konstrukte sind. Wissenschaftlich betrachtet sind sie ein Beispiel für multispezifische Stadtgemeinschaften, in denen Interaktion, Anpassung und Nähe alltäglich sind.
Ein kultureller Auftrag für uns Menschen!
Herkunft der Stadttauben
Stadttauben oder auch Straßentauben genannt sind die Nachkommen der Haustaube, einem Haustier, das der Mensch vor Jahrtausenden aus der Felsentaube gezüchtet hat. Die Felsentaube (Columbia livia livia) ist in Europa, Nordafrika und Südwestasien zuhause. An zerklüfteten Felsenküsten bilden sie große Brutkolonien und ziehen von hier in Schwärmen in die offenen Brachlandschaften, wo sie ihre Nahrung, Sämereien und Körner suchen. Die Futtersuche im Schwarm gibt dem einzelnen Tier Sicherheit und Schutz vor den Hauptfeinden der Taube, den Greifvögeln. Felsentauben sind sehr ortstreu und leben in fester langjähriger Paarbindung. Ein Paar zieht ein bis zwei Bruten im Jahr auf.
Domestizierung und Nutzung
Es wird vermutet, dass die Felsentaube etwa 8000 v. Chr. den Ackerbauern folgte und dadurch ihren Lebensraum ausdehnen konnte. Bereits 5000 v. Chr. finden sich schon erste Hinweise für eine Domestikation in Ägypten und Mesopotamien. Aus der Felsentaube wurde nun eine Haustaube. Sie lieferte dem Menschen Fleisch und Eier und kam immer wieder verlässlich zu ihrem Schlag zurück. Das waren wünschenswerte Eigenschaften, die durch Zucht noch verstärkt wurden. Bei den Römern, in Ägypten, in Persien und auch im Mittelmeerraum wurden Tauben über viele Jahrhunderte in Taubentürmen gehalten und waren hier auch als wertvolle Düngemittelspender begehrt.
Durch Zucht wurde aus der höchstens zweimal im Jahr brütenden Felsentaube ein Vogel, der rund ums Jahr Eier legt und dessen Heimfindevermögen und Fluggeschwindigkeit für den Nachrichtentransport und für den Taubenflugsport genutzt werden konnte. Der Mensch nahm seine Haustauben auf seinen Reisen überallhin mit auf die Welt und züchtete mit ihnen weiter. Entflogene oder ausgesetzte Haustauben bildeten den Grundstock für die Populationen der Stadttauben in unseren Städten rund um den Globus. Überall dort, wo der Mensch ihnen Brutmöglichkeiten und Nahrung bot, haben sie sich ansiedeln können.
Warum gibt es in den Städten ein “Stadttaubenproblem”?
Haustauben aus aufgegebenen oder vernachlässigten Schlägen und Vögel, die im sogenannten Taubensport nicht den Anforderungen genügten, sind der Ursprung der Stadttaubenpopulationen. Sie schlossen sich zu Schwärmen zusammen und blieben in der Nähe des Menschen. In seinen Häusern und Stadtmauern fanden sie Brutnischen und Schutz vor Greifvögeln und auf seinen Feldern ihr Futter.
Ab Mitte des 20.Jahrhunderts konnten sich die Stadttauben in den großen Städten Europas, der USA und anderer Teile der Welt rasant vermehrten. Die Vögel fanden jetzt eine reichliche Auswahl an Brutplätzen in Ruinen und Häusern mit sanierungsbedürftiger Bausubstanz und in Bahnhöfen und Brücken und erschlossen sich neue Nahrungsquellen auf den Straßen, Häfen und Plätzen.
Die angezüchtete Fruchtbarkeit, Anpassungsfähigkeit und die Fähigkeit, ihre Nachkommen auch unter schlechten Bedingungen groß zu ziehen, führten zur Entstehung von großen lokalen Populationen, die nun von den Menschen als Problem angesehen werden.
Stadttauben sind keine “Schädlinge”!
Als hauptsächliche Probleme, die durch die Präsenz von Stadttauben für den Menschen entstehen, werden angeführt
Die Ansicht, dass die Stadttauben ein Gesundheitsproblem für den Menschen darstellen und ihre Anwesenheit zerstörerisch für Bauten und Denkmäler ist, ist weit verbreitet und selbst tierfreundliche Stadtbewohner sehen in ihnen ‚Ratten der Luft‘, die es zu bekämpfen gilt. Firmen, die auf Schädlingsbekämpfung spezialisiert sind, führen Stadttauben auf ihren Schädlingslisten und schüren den Ekel und Abscheu vor den Vögeln.
Es ist mittlerweile erwiesen, dass Taubenkot nicht materialschädigend ist (s. TU Darmstadt, Prüfungsbericht 2004) und das von Tauben keine größeren gesundheitlichen Gefahren ausgehen, als von anderen Vögeln und Tieren auch.
Ganzer Artikel auf der Webseite Erna -Graf-Stiftung: https://www.erna-graff-stiftung.de/tauben/
Wildtier/Wildtaube Haustier/Haustaube
Columba livia Columba livia forma domestica
Quellen :
https://www.erna-graff-stiftung.de/tauben/
https://www.peta.de/themen/tauben/
https://www.wissenschaft-aktuell.de/artikel/
Mehr_als_nur_soziales_Kraulen__Warum_sich_Tauben_beim_Gefiederputzen_gegenseitig_helfen1771015590177.html
Jennifer Ackerman: Die Genies der Lüfte - Die erstaunlichen Talente der Vögel (2019 Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg)
Sandra Labenski gibt einen Einblick in das Problem der Vogelüberbevölkerung, räumt mit vielen Vorurteilen auf, offeriert Alternativen im Umgang mit Wildvögeln und zeigt, weshalb die Vögel schützenswert sind. Studiogast: Sandra Labenski, Taubenhilfe Kaiserslautern, Wildvogelrettung e.V. DÜW-Hochspeyer siehe Youtube Clip!
Anna-Vanadis Faix
„Haustaube and the City“
Eine normative Analyse der Koexistenz mit Stadt- bzw.
Haustauben
Zusammenfassung
Die Koexistenz zwischen Mensch und Stadt- bzw. Haustaube ist hauptsächlich negativ geprägt. Der Mensch zeichnet die Haustaube nicht selten (politisch oder kulturell) als Schädling aus, statt auf ihre
Situation und Herkunft als ein durch ihn obdachlos gewordenes Hau- stier Rücksicht zu nehmen.
Im folgenden Artikel will ich die Mensch-Haustaube-Koexistenz sowie die Aufenthaltsrechte, die der
Mensch der Taube dabei zu- oder vielmehr abspricht, näher analy-sieren. Dabei zeigt sich, dass nicht nur eine Schädlingsauszeichnung kritisierbar ist, sondern auch Maßnahmen, die dazu dienen,
derTaube jegliches Aufenthaltsrecht im gemeinsamen, geteilten Le-bensraum der Stadt abzusprechen.
Vergrämungen und Fütterungs-verbote (durch einzelne Kommunen) sind hier die bedeutendsten
Beispiele.
Statt eine Koexistenz zu verbessern, verschlechtern diese Kommunen die Lebenssituation für die Haustauben, aber auch rück-wirkend für die Menschen in der Stadt.
Es soll gezeigt werden, dass dies v.a. einer Diskriminierung geschuldet ist, die teils an speziesis- tische Vorformen zur Dehumanisierung erinnert.
Diese Struktur gilt es in der Diskussionslandschaft aufzubrechen und alternativ auf be-reits bestehende Beispiele zurückzugreifen, die auf eine positiv ge-leitete
Koexistenz abzielen.
Schlüsselwörter: Vergrämung; Fütterungsverbot; Schädlingsaus-
zeichnung; feindliche Architektur; obdachlose Haustiere
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Anna-Vanadis Faix
Die Stadttaube und ihr Schwellendasein
Eine kritische Analyse des Speziesismus im Umgang mit
verwilderten Haustieren
Zusammenfassung
Innerhalb der Auseinandersetzung mit dem Phänomen des Speziesismus, der auf die unbegründete moralische Bevorzugung einiger Spezies gegenüber anderen abzielt, bleiben sogenannte verwilderte Haustiere
häufig unbeachtet.
Der Begriff der verwilderten Haustiere subsumiert Tierarten, die eine lange Domestizierung durch den Menschen erfahren haben und innerhalb eines artfremden Lebensraums verwildert sind.
Ein adäquates und besonders markantes Beispiel für eine solche Tierart stellt die Stadttaube dar. Ziel des Beitrages ist es, entlang dieses Beispiels speziesistische
Strukturen offenzulegen, die
unseren Umgang mit verwilderten Haustieren prägen. Denn die moralische Bevorzugung, die in unserem gesellschaftlichen Denken häufig unseren Haustierarten zugesprochen wird, hebt sich gegen über
diesen Tieren auf und dreht sich weitestgehend sogar ins Gegenteil um.
Dieses Phänomen lässt sich im Kern mitunter auf zentrale biologische Argumente zurückführen. Diese biologischen Argumente prägen und stützen so indirekt weite
Bereiche unseres gesell-
schaftlichen und politischen Denkens, unsere Einstellung sowie unseren Umgang mit sogenannten verwilderten Haustierarten.
Der vorliegende Beitrag fokussiert dabei vornehmlich auf die normative Analyse dieser (biologischen) Argumente und postuliert, dass es sich hier weitestgehend um Fehlschlüsse handelt, die auf einer fundamental speziesistischen Haltung aufbauen.
Auf dieser Grundlage soll für ein entsprechendes Umdenken innerhalb des Umgangs mit der menschlichen Verantwortung gegenüber diesen Tierarten argumentiert werden.
Schlüsselwörter: Tierphilosophie; Speziesismus; verwilderte Hau-
stiere; Stadttauben; Domestizierungn
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Haustaubenhaltung als Immaterielles Kulturerbe
Die Bewerbung zielt darauf ab, die jahrtausendelange Tradition der Haustaubenhaltung durch den Menschen (vom Nahrungsgeber über die Brieftaube bis zur heutigen Betreuung) als ein schützenswertes, lebendiges Kulturerbe anzuerkennen.
UNESCO 2025–27: Die Haustaubenhaltung der domestizierten Felsentaube Columba livia forma domestica. 7000 Jahre Nutz- und Zuchttaube sowie Soziokulturelles Kulturgut; mit Compliance im Augsburger Modell.
Erfreuliche Veränderung des Stadtbilds. Dank „neugedachtem“ Stadtklima.
Rudolf Reichert kreiert 1995 in seiner Stadt das „Augsburger Modell“. Sukzessive ziehen über 370 Kommunen mit. Kulturell und vor allem soziokulturell setzt die Rekultivierung der obdachlosen Haus- und Nutztaube Columba livia forma domestica zum wiederbefriedeten Haustier die historische HaustaubenHaltung fort: „Haustiere gehören absolut in eine vom Menschen betreute und ihren Bedürfnissen angepasste Behausung. Und – keine Frage – selbstverständlich füttert man entflogene Haustiere bis dahin mit dem ihrer Art zugehörigen Futter.“
Die Compliance des „Augsburger Modells“ umfasst MODUL 1. Betreute Futterstellen für alle noch-obdachlosen Tauben als Grundlage für MODUL 2. Betreute Taubenlofts mit Futter, Wasser, Niststellen, Geburtenkontrolle durch Eiertausch. Beide Module greifen zeitgleich ineinander und ergänzen sich. Diese einzigartige Konzeption schafft dank jener durchdachten Konstellation allein die erforderliche Grundlage für die erfreuliche Veränderung des Stadtbilds durchs „neugedachte“ Stadtklima.
Vita der Columba livia forma domestica im Flug durch Jahrtausende.
Ab 5000 v. Chr. domestiziert der Mensch das am Meer ansässige Wildtier Columba livia, die Felsentaube: Fleisch, Eier, Federn fürs Deckbett und die Kissen, ihr Kot macht Böden erst fruchtbar. Voilà! Columba livia forma domestica! Die „Geburtsstunde“ der Nutz- und Haustaube! & erstes Haustier des Menschen!
Während 7000 Jahren verschleppt der Mensch „seine Taube“ weiter und weiter landeinwärts, in andere Länder, ja Kontinente. Restbestände der stolzen und unabhängigen Felsentaube Columba livia, dem Wildtier, bleiben im angestammten Habitat zurück.
Columba livia forma domestica, das Haustier, dient dem Menschen fortan als archaische Nutz- und Haustaube mit all den Faktoren, die Domestikation, „Haustierwerdung“, mit sich bringt: Veränderung im Aussehen, Verhalten, Gehirn sowie der Degeneration auch anderer Organe. Ein Fluch. Statt Samenfrüchte maritimer Flora, und ans Ufer gespülte Meeresschneckchen ab und an, braucht im neuen Habitat der domestizierte Organismus – um stabil zu bleiben –, jetzt nähr- und mineralstoffreiches Hartkörnerfutter, dazu kleine Steinchen als Hilfe zur Verdauung.
Ein Fluch. Denn Domestiziertheit ist non-reversibel. Der ausgemergelt-dürre Straßenhund im Ausland wird nie mehr zum eigenständigen Wolf – Columba livia forma domestica gar nie mehr zur autonomen Felsentaube. Somit hat der „kultivierte Mensch“ – de jure, ethisch und moralisch –, die Mission, „seine“ domestizierten Tiere zu halten und zu versorgen. Die Frage lautet: Existieren solche „kultivierten“ Menschen in heutiger Zeit überhaupt noch?
Jedenfalls – das demzufolge benötigte Maß von gehaltvollem Hartkörnerfutter bewirkt, dass im Mittelalter ausnahmslos reiche Klöster und der privilegierte Adel diese Nutz- und Haustaube halten dürfen. Erst im Flug der Jahrhunderte kommt der Gemeine Bürger und Bauer ebenfalls in deren Genuss. Auch sie kommen ihrer Verantwortung nach. Zeitzeugen sind die Einflugbretter an den Giebeln historischer Fachwerkhäuser.
Doch dann: Seit 1870 bedrohen Kriege das Land. Und zu Abertausenden wird Columba livia forma domestica rekrutiert und an die Front gekarrt. Ausgestattet mit Kamera und Rucksäckchen ist sie zuverlässiger Kundschafter und Bote.
Dank ihres Heimfindevermögens rettet sie zahlreiche Menschenleben. Opfert dabei sich selbst. Die Überlebenden finden ihre vormalige Bleibe zerstört. Wie soll das Haustier bloß existieren? Ganz einfach: Mit Compliance dank dem "Augsburger Modell". Die Taube erlangt ihre Würde zurück und damit der Mensch.
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Der Mensch macht das Stadtklima - nicht die Taube.
Abwehr gegen Menschen.